Besuch der SEG im Warnamt VI
Um mal wieder ein wenig Geschichte zu tanken, und vor allem um auch den
jüngeren Mitgliedern der SEG einmal den Katastrophenschutz näherzubringen, aus
dem die SEG ja quasi entstanden ist, besuchten wir am 26.Januar das ehemalige
Warnamt VI in Bodenrod bei Usingen in Hessen.
Die
Warnämter wurden 1957/58 in Folge des immer mehr bedrohlich wirkenden Kalten
Krieges gegründet. Davor war, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der aus dem
Reichsluftschutzbund hervorgegangene Bundesluftschutzverband bzw. der Warn- und
Alarmdienst des Luftschutzhilfsdienstes zuständig.
Das bereits im Sommer 1955 gebilligte Luftschutzprogramm machte auch die
Einführung eines wirksamen Warn- und Alarmdienstes erforderlich. Als eine
Abteilung des Zivilschutzes musste dieser Warn- und Alarmdienst in der Lage
sein, durch Berechnungen und Prognosen gefährdete Gebiete zu ermitteln und dann
die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. Die Aufgaben des Warnamtes waren im
Einzelnen:
 | Erfassung der Luft- und ABC-Lage(Feststellung von Gefahren durch Atomare,
biologische und chemische Waffen) |
 | Öffentliche Warnung der Bevölkerung durch Sirenen, Radio (man konnte sich
direkt in Radioprogramme einschalten und vom Warnamtsbunker aus Durchsagen
machen) z.B. bei Fernwaffenbeschuss oder Flugzeugangriffe sowie bei
radioaktiven Niederschlägen oder chemischen oder biologischen Kampfstoffen) |
 | Entwarnung nach Beendigung der unmittelbaren Gefahr. |
 | Laufende Durchsagen an Behörden oder wichtige Betriebe. |
 | Unterrichtung der Bundesregierung über die vom Warnamt erfasste Lage und
die bereits von ihm veranlassten Maßnahmen. |
 | Meldungs- und Kommunikation mit den Warndiensten der NATO-Nachbarstaaten |
Die Bevölkerung registrierte das Vorhandensein der Warnämter (es gab 10 Stück
in den alten Bundesländern) meist nur durch die regelmäßigen Probealarme die
alle 6 Monate mit den Luftschutzsirenen durchgeführt wurden. Und wurde vom
Großteil der Bevölkerung als ziemlich nervig empfunden.
Auch aus Gründen der Geheimhaltung war der Warndienst nicht in der
Öffentlichkeit präsent (Ende der 80er Jahre änderte sich auch dies), und dadurch
blieb die komplexe hochtechnisierte Apparat der Bevölkerung unbekannt.
Seit Beginn der 70er Jahre gab es in ganz (West)Deutschland verteilt
ABC-Messsonden die im Abstand von ca. 15 km über das ganze Land verteilt waren,
und von den Warnämtern ständig abgefragt werden konnten.
Die Warnämter wurden in ruhigen abgelegenen Regionen errichtet, da man davon
ausging, dass im Ernstfall hauptsächlich Städte und Ballungszentren bombardiert
werden würden. Selbst wenn ein Warnamt durch einen Bombenangriff
ausgeschaltet worden
wäre, hätte ein benachbartes Warnamt aus einem anderen Bundesland dessen
Funktionen mitsteuern können!
Jedes Warnamt hatte eine eigene Wasserversorgung durch eigene Brunnenanlagen und
eine eigene Notstromversorgung. Ein 3-Monatiger Betrieb wäre im Katastrophenfall
möglich gewesen. Jedes Warnamt besitzt einen 30 mal 30 Meter großen und 16 Meter
hohen Bunker mit vier Ebenen. Die Wandstärke beträgt drei Meter Stahlbeton.
Zentralheizung und Klimaanlage, eine eigene Küche, Werkstätten und
Sanitätsstationen waren vorhanden. Eine Atomexplosion in einem Kilometer
Entfernung hätte dieser Anlage nichts anhaben können.
Gott sei dank mussten die Warnämter nie für den Einsatzfall genutzt werden.
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